150 Stunden Zugfahrt Sibirien Hin & Zurück

3 Tage St. Petersburg – 14 Tage Nischniwartosk – 4 Tage Moskau und 150 Stunden Zugfahrt

Nachdem wir einen heißen Arbeitseinsatz hinter uns gebracht haben, kam der Dauerregen und wir waren froh und gespannt mit dem Nachtzug Richtung St. Petersburg (oder wie man hier oft sagt „Piter“) aufzubrechen.

Dort gab es dann endlich mal wieder etwas eigenen Raum und mehr Privatsphäre. Wobei, wir bezogen eine Ferien-Wohnung in der man etwas Angst hatte das die Babuschka und der Djeda die hier eigentlich wohnen, gleich durch die Wohnungstür kommen. Die Vermieterin erzählte uns dann am Ende, dass ihre Eltern in 3 Tagen, aus Deutschland, für einen Heimaturlaub nach Russland zurückkommen. Ein Museum für Street-Art in der Nachbarschaft war total spannend und hat uns am ersten Tag schon vollkommen zufrieden gestellt. Die typischen Sehenswürdigkeiten erkundeten wir dann tags drauf mithilfe einer Free-Walking-Tour, wie auch schon in Riga. Das ist wirklich eine schöne Art eine große Stadt auf eine angenehme Art kennen zu lernen. Hierbei zeigen einem sogenannte „Locals“, also Leute die aus dieser Stadt kommen oder hier schon lange wohnen, ihre Lieblingssehenswürdigkeiten. Auch wenn die Katzenvielfalt in der Emitarge uns interessiert hätte, entschieden wir uns das Wodka-Museum sowie das Ethnografie-Museum zu durchforsten. Das Wodka-Museum hat mit dem deutschen Audio-Guide, der starken russischen Akzent hatte und manche Sachen selbst sehr lustig fand, viel Spaß gemacht. Wir wissen jetzt wieso man sich als Geste fürs saufen gegen die Kehle schnalzt und wie die perfekte Mischung für Wodka ausschaut. Das Ethnografie-Museum war rießig, aber leider wurde der Teil zu Sibirien und der Wolga grade restauriert. Somit ging es ab in den Bus und über Nacht nach Moskau. Als wir morgens gegen 6h nach wenig und unbequemen Schlaf erwachten, war die Frage; Was machen mit einem halben Tag in Moskau, mit Gepäck und müde?

Ab ins Spaßbad war die Antwort. Hier sorgten heftige Rutschen für den richtigen Wachheitsgrad und schon saßen wir im Zug nach Sibirien.

Da wir das Ticket recht spät gebucht haben, war die 2 Klasse (insgesamt gibt es 4) ungefähr so teuer wie die 3 und so führen wir in der 2 Klasse dem sogenannten „Kupee“ mit, einem Abteil für 4 Personen, bei dem wir die beiden oberen Betten bezogen. Als wir reinkamen, es kleine Essenspakete, Hausschuhe und Zeitung gab, fragte wir uns aber doch ob wir richtig sind oder doch in der ersten Klasse gelandet sind. Als die Schaffnerin dann aber nur fragte was, wir wann essen wollen und uns nicht wegschickte, genossen wir einfach unser Glück. Erst in Kazan bekamen wir dann Gesellschaft von einer jungen Frau mit ihren zwei Söhnen. Wir haben geteilt was der Proviant bot und gegenseitig Rücksicht aufeinander genommen (was nicht ganz selbstverständlich ist, dazu später mehr). So kamen wir recht zufrieden am Abend des 29ten August in Nischniwartosk an. Hier wurden wir von Eugens Cousin in Empfang gekommen der uns in seinem großen Gelenwagen (so sagt man hier zu Geländewagen) erklärte das man sich ab jetzt nicht mehr anschnallt, denn wir sind ja hinterm Ural (das mit dem Anschnallen wird allerdings von allen unterschiedlich gehandabt). Bei Eugens Tante und Onkel angekommen erkundetet wir die Stadt in der Eugen bis er 8 Jahre alt war aufgewachsen ist.

Bei jedem Bengel auf dem Fahrrad dachte Frede; So ist Eugen hier bestimmt auch mal durch die Kante gedüst.

Meistens machten wir uns auf eigene Faust auf den Weg und schauten uns um und ließen die 45 Jahre alte Stadt, mit ihren rund 250.000 Einwohner_innen, die sich in einem ständigen Wandel befindet, auf uns wirken. Blocks noch und nöcher und einkaufen geht auch an jeder Ecke. Der wichtigste Motor der Stadt: das Öl.

Uns wurde nicht ohne Stolz, das inzwischen recht weit ausgebaute Öl-Förder-Gebiet und ein lebender Bär in Gefangenschaft gezeigt.

Neben der Stadt erkundeten wir auch Eugens Familie, führen zu verschiedenen Tanten, lernten Cousins kennen und trafen Freunde und deren Freunde.

Wo wir konnten halfen wir im Garten bzw. wie man es hier sagt, auf der Dacia mit. Denn in Sibirien müssen Anfang September die Gärten schon winterfest gemacht werden. So hatten wir auch schon die erste Nacht mit 0 Grad und das schönerweise, nicht im Zelt.

Es war total schön, die russische Gastfreundschaft hautnah mitzuerleben, wir wurden bekocht und betüdelt und immer wieder dazu angehalten uns auszuruhen. Das war allerdings nach einiger Zeit auch etwas anstrengend und die Gartenarbeit war, vorallem für Frede, eine willkommende Abwechslung zum russischen Fernsehprogramm.

Auch in Nischniwartosk besuchten wir zwei spannende Museen und lernte so etwas darüber wie man früher in Russland und vorallem in der Region rund um Nischniwartosk lebte.

Nach zwei Wochen, waren wir des zu Gast-Sein, allerdings auch etwas überdrüssig und vorallem Frede plante fiebrig die Tage in Moskau.

Aber erstmal hieß es wieder mit dem Zug fahren; Zwei Tage, Zwei Nächte, diesmal in der dritten Klasse (Platzkart). Hier buchten wir wieder die beiden oberen Liegeplätze und haben die Erfahrung gemacht, dass nicht alle so rücksichtsvoll sind und die unteren Sitzplätze für andere Mitreisende frei machen. Das hieß für uns viel liegen, liegen, liegen. Aber auch im liegen kann man Rätsel lösen, russisch lernen und vorallem schlafen. Die Zugbegleiterin hielt uns auf Trapp, nannte Frede nach einem Tag beim Vornamen (und dass bei mehr als 60 Passagieren!) und versuchte Eugen Glückslose und Anti-Stress-Mittel zu verkaufen. Eine spannende Erfahrung mit so vielen Menschen auf engem Raum zu sein, die nur einmal unangenehm wurde, als nachts um 1h ein total betrunkener Mann direkt unter uns heftig zu schimpfen begann, weil er von der Pritsche gefallen war und dies doch kein Holztransport sei. Aber auch den hatte unsere kompetente Zugbegleiterin im Griff.

In Moskau angekommen machten wir es uns, im Hostel etwas außerhalb bequem. Hier waren außer uns eher Leute untergebracht die in Moskau noch keine längere Bleibe hatten. Das war ganz angenehm, da wir erst mal nicht mehr so viel Lust auf Austausch hatten.

Die Stadt ist gigantisch, sowohl im positiven wie auch negativen Sinne. Einige der riesigen Gebäude sind beeindruckend andere irgendwie erschlagend und der Metro sowie durch die riesigen Blocks kann man sich fast vorstellen, dass hier über 12 Millionen Menschen leben. Und natürlich Touris überall Touris, von denen wir natürlich auch welche sind. Und so genießen wir erneut eine Free-Walking-Tour mit nur um die 10 weiteren Menschis, was im Vergleich zu den anderen Stadtführungen echt Mini ist. Der Park der Künste beeindruckt mit seinen Statuen und auch im Gorki-Park verläuft es sich mit den Menschenmassen. Das man überall vom feinsten einkaufen und konsumieren kann, verlockt und überfordert, aber wir versuchen dran zu bleiben an unserem Plan nicht sinnlos einzukaufen bzw. nur Dinge die wir wirklich brauchen.

Den Tag der Weiterreise verdaddeln wir im Park in der Nähe des Hostels. Wir machen ständig Pausen, was notwendig ist, da die Rucksäcke natürlich doch ein BISSCHEN schwerer geworden sind. Überall gibt es Spielplätze und Sportgeräte, die wir gerne nutzen mal mehr mal weniger gekonnt. Und dann heißt es ein vorerst letztes Mal Zug fahren. Dies mal in der 4 Klasse (Sitz) für ca. 9 Stunden zurück nach Sebesch. So vierte Klasse im Nachtzug, was heißt das? Eigentlich sitzen, aber da die Russ_innen ja gewieft sind, liegen am Ende doch die meisten auf einem Platz, zwar ohne Matratze und Decke, aber so, dass man zumindest zu ein bisschen Schlaf kommt.

So kommen wir nachts um 3h in Sebesch an, werden von der Grenzkontrolle begrüßt und dürfen dann mit dem Taxi wieder ins Dorf fahren. Hier nur schnell das Zelt aufschlagen und schlafen.

Am nächsten morgen werden wir freundlich begrüßt und entscheiden uns bei dem Bekannten, bei dem wir das Auto stehen lassen haben, für 3 Tage beim Hausbau mitzuhelfen.

Morgen geht es dann wieder an die Grenze damit wir auch ja rechtzeitig an der Pliszka sind 😉

Also bis ganz bald! Wir freuen uns auf Euch!

 

3 comments on “150 Stunden Zugfahrt Sibirien Hin & ZurückAdd yours →

  1. Hi Ihr 2 Weltenbummler,
    bevor Ihr denkt, dass kaum einer Eure schönen Berichte liest … immer sehr schön und wecken Fernweh und Erinnerungen.

    Willkommen zurück und bis bald mal wieder,
    Carsten

  2. Oh, ich bin gespannt, was ihr noch für Einzelheiten betrichtet.
    Ich will unbedingt wissen wie Wodka getrunken wird und welche Rätsel entwickelt wurden.
    Beim Übersetzen brauche ich kompetente Unterstützung…

    Grüße aus meiner Heimat und ich freue mich auf Euch

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